Juristen und Techniker

Juristen und Techniker

Die Aufgabe der Juristen ist bekanntlich, die rechtlichen Interessen des Mandanten zu vertreten und Ansprüche durchzusetzen. Sei es gegenüber dem Vertragspartner oder dem Gericht. Dies geschieht auf Grund von Gesetzen und Urteilen sowie Gesetzesinterpretationen. In "normalen" Rechtsverhältnissen hängt der Erfolg vom Wissen, der Erfahrung und dem Können des Rechtsanwaltes ab. Im Bauwesen ist jedoch alles ein wenig komplizierter: ein Rechtsanwalt ist alleine meist machtlos. Ein Sachverständiger auch. Denn es braucht bei Mängeln immer zwei voneinander unabhängige Fachleute mit unterschiedlichen Aufgaben:

1. Einen Sachverständigen, der die Mängel erkennt, dokumentiert und nachweist. Alles aufgrund technischer Regelwerke. Aber eben ohne juristischen Hintergrund. Rechtliche Dinge dürfen technische Sachverständnisse ohne entsprechende juristische Zulassung ohnehin nicht beurteilen. Sollten sie auch nicht, auch wenn manche sich immer wieder dazu hinreißen lassen. Oft zum Schaden des Kunden.

2. Einen Rechtsanwalt, der genau diese Informationen in verständlicher Sprache benötigt, um überhaupt Ansprüche durchsetzen zu können. Nur dieser kann die entsprechenden Schreiben fachlich rechtssicher formulieren. Der Sachverständige ist hier sozusagen der Erfüllungsgehilfe des Rechtsanwaltes. Einfacher ausgedrückt (wenn auch ein wenig drastisch): der Sachverständige liefert dem Rechtsanwalt die Munition, damit dieser "schießen" kann.

Welche Reihenfolge sollte ein Geschädigter einhalten? Das ist im Grunde egal. Oder sollte es sein. Ein guter Rechtsanwalt wird immer einen Sachverständigen als Unterstützung empfehlen. Genau so, wie ein guter Sachverständiger immer zu einem Rechtsanwalt rät. Üblicherweise wird zunächst der Sachverständige auf die Suche nach Mängeln geschickt. Das ist bei Privatgutachten auch erlaubt. Diese Mängel werden aufgelistet, dokumentiert. und dem Rechtsanwalt vorgelegt. Der Rechtsanwalt nimmt dann die juristische Bewertung vor und legt Schwerpunkte fest. Es können einige Punkte ergänzt, aber auch welche gestrichen werden. Zum Beispiel, wenn ein vorhandener Mangel verjährt ist oder aus anderen Gründen rechtlich nicht erfolgversprechend ist.

Fazit: an der falschen Stelle sparen wird teuer.